Tagebuch
Erlebnisse vor und hinter den Kulissen

Mi, 23.6.2010: Abschlussprüfung, Dickhäuter-Geburtstag und keine schwebende Jungfrau

Der Begriff „ein Reisender“ zu sein hat mein Sohn völlig anders gesehen. Aber, als es nun soweit war, dass ein Ende seiner sooooo geliebten Schulzeit abzusehen war, gab es erst mal Abschlussprüfungen und die sind ja nun nicht so, wie man es sich als Schüler wünscht. Die sogenannten Toturenkinder, die eben nicht in NRW reisen, mussten nun zu den drei Prüfungsterminen anreisen. Also so eine Schulabschlussprüfung ist für Jeden schon eine aufregende Sache und dann erst mal per Bahn über hunderte Kilometer anreisen und das so ganz allein, eben noch eine zusätzliche Belastung. – Dank dem Einsatz der Lehrern der Schule für Circuskinder, ihrer guten Planung und Organisation und der Gastfreundschaft, der am Ort anwesenden Circusfamilien, war das Ganze für die Kinder auch ein freudiges Ereignis sich mal außerhalb vom Internet und Handy wieder persönlich zu treffen. – Damit Dank an alle Beteiligten und für die vielen Glückwünsche an Bobo für seinen gelungenen Abschluss – eine Drei plus, Rest Zweier und Einser!! Schade, auch hätten wir gerne Bobo ermöglicht an der Abschlussfeier und der Zeugnisausgabe teilzunehmen, aber nach dem Motto the show must go on muss man eben verzichten, dafür freuen wir uns besonders auf eine persönliche Feier im August. Jeder hat sich ja bestimmt schon so seine Gedanken  gemacht und seine Meinung dazu gebildet, aber das Thema Familie wird eben gerade in unserer Situation ganz groß geschrieben. Ja, wie jedes Kind hat sich auch Bobo vorgestellt, dass, wenn man nun nicht täglich an Hausaufgaben und Lernen denken muss, das Paradies auf Erden eintrifft. So ist es leider nicht. Das Leben und Lernen geht weiter und man muss sich mit einem anderen Ernst des Lebens auseinander setzen. Es ist als Mutter aber mit Erstaunen zu beobachten, wie innerhalb von Stunden das Kind mehr zum Erwachsenen reift und es ist schön Freunde zu haben, die diese Freude mit einem teilen.

Bei unserem jetzigen Engagement erleben wir ja viele Kindergruppen und wenn ich mir erlauben darf, das Verhältnis Lehrer-Schüler zu kommentieren, dann kann ich nur sagen, dass es ein Glück ist, dass Bobo die Zeit an den normalen Schulen so gut überstanden hat. Als Tierlehrer würde ich erhebliche Kritik hinnehmen müssen, wenn mein Verhalten so wäre, wie es die Menschenkinder-Lehrer so an den Tag legen. Klar, Ausnahmen gibt es immer wieder, aber leider sehr wenige. Auch stellt man fest, dass das Leben auf den Alltag bezogen bei den Kindern fast völlig fehlt, diese Normalokinder (sorry) sind bis zu einem gewissen Alter nicht fähig etwa das Rechnen auf den Alltag und das Bezahlen umzusetzen.


Foto: © www.batama.de

Unser Chef kann aber Rechnen und seine Party hat schon stattgefunden, nämlich zu seinem 50. Geburtstag im Mai. Auch seine zwei Elefanten, die noch aus dem DDR-Staatscircus stammen, konnten sich über ein 50-jähriges Leben freuen und so gab es eine Dreier-Party. Am Tage hatte sich die Presse und einige Stammbesucher extra eingefunden und am Abend gab es dann für Familie und Belegschaft eine Party. Wenn man dann die Zeit findet, die Besucher etwas zu beobachten, dann kommt es zu lustigen Begebenheiten, wie z.B.: Erst lesen sie auf einem Schild: Rentierbaby geboren am 13.Mai 2010. - "Mama schau mal die Elche und sie haben ein Baby!! " Wie kommt eine Elchmutter zu einem Rentierbaby? – Und die Weißbüschelaffen sind auch keine Baby-Panda-Bären, Stachelschweine auch keine Stinktiere. – Aber was macht man, wenn die Schwebe-Illusion klemmt und mein Mann nicht schweben will oder kann. Also ein Tipp für Anfänger: Lächeln und so tun, als ob es so sein soll. In meinem Innersten hat es aber auf Hochtouren gearbeitet und unsere Hotelgäste, die die Show ja mehrmals sehen, haben mir versichert, sie war anders, aber man hat nicht bemerkt, dass es nicht so ein sollte. Eben, in dem Sinn – the show must go on und natürlich mit den Tieren!

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Fr, 16.4.2010: Neue Wege, zurück zu den Wurzeln

Wie schnell doch die Zeit vergeht, es ist mir so, ob ich gestern erst schwanger war und nun muss ich eingestehen, der Junior kann besser Feuerschlucken als ich. Klar ich dachte, dass er dazu noch zu jung ist, aber wenn er es heimlich macht, dann ist es noch gefährlicher und so hatte er in Sonny Frankello auch einen sehr guten Lehrmeister und jemand meines Vertrauens. Von Henry Fröchte hat Bobo das Tellerdrehen erlernt und nun ist er in dieser Saison mit diesen beiden Darbietungen unter anderem mit Petra Fleischmann im Circusprogramm des Erlebnistierparks Memleben zu sehen.

Viele Freunde hatten schon öfters bedauert, dass mein Part der komischen Alten gestorben ist, als mein Mann die Rola-Nummer eingestellt hat. Nun bin ich alt, aber ob noch komisch? Na, so habe ich einen Walking Act, in dem ich unter anderem dem Publikum Eis und Popcorn verkaufe, ins Leben gerufen und der Umsatz von Eis ist auch bei kühlen Temperaturen gestiegen (zur Freude der Direktion). Dabei ist mir folgendes passiert: Ich habe auch einen Staubwedel bei mir, wenn ich die Leute unterhalte. Diese Staubwedel gibt es nun zu hunderten in Billigmärkten zu kaufen und können nicht nur zum Putzen verwendet werden. Mein Staubwedel ist etwa ein Zauberstab! Dieser Zauberstab, aber nicht meiner, lag nun neulich in der Tigeranlage. Plötzlich klopfte eine Familie mir ganz freudig auf die Schulter und freute sich, mich so gesund und munter wiederzusehen. Ich war sehr erstaunt über diese überschwängliche menschliche Zuwendung und fragte nach einer Erklärung. Sie hatten den Staubwedel bei den Tigern gesehen und damit bereits ein stilles Gebet für mich gesprochen. Das erfreut einen dann doch, wenn man den Menschen soviel Freude bereitet, dass sie sich um einen sorgen.

Eigentlich sollte Klaus eine Zauberdarbietung im Circusprogramm machen und dafür wurde noch eine schwebende Jungfrau gesucht. - Ich als schwebende Jungfrau, wer glaubt denn sowas? - Also haben wir den Spieß umgedreht. Ich zaubere und Klaus schwebt. - Wer's nicht glaubt, muss es sich eben ansehen! Was aber nun nicht heißt, dass ich den Reptilien untreu werde. "Frau Meyer" ist in der Crocodile Dundee Show zu sehen, denn ich ohne Frau Meyer, das geht ja auch gar nicht.


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Freunde aus Offenburg waren schon neugierig, was es bei uns Neues zu sehen gibt und außerdem hatten sie nach drei Monaten auch schon wieder Sehnsucht nach uns. So hatten wir schon lieben Besuch aus Offenburg zu verzeichnen. Ich muss gestehen, das bringt auch etwas Abwechslung in unser Leben, denn als abwechslungsreich kann man Memleben nicht bezeichnen. Nun waren wir ja schon mal vor vier Jahren hier und nette Leute (so wie wir) finden überall Freunde. Eine Bekannte fragte, ob es hier eine Bücherei gibt? Hier gibt es einen Briefkasten, aber dass ist auch schon alles, was mit den Erfindungen nach dem Rad zu tun hat.

Bobo hat vor unserem Saisonstart etwas Energie getankt, denn die Abschlussklasse der Circusschule war im Januar zu einem Schulausflug in London. 14 ganz normale Jugendliche in Begleitung von drei Lehrern haben sich fünf schöne Tage gemacht. Das ist ja auch eigentlich nichts Besonders. Wenn man aber bedenkt, dass die Eltern ihre Kinder aus allen Himmelsrichtungen bis zu mehreren hundert Kilometern zum Flughafen bringen mussten und auch wieder abholten, dann ist es schon besonders. Der Stellenwert Kinder und ebenso Tiere ist am Circus sehr hoch, auch wenn es unter der so manchen rauen Schale der Verantwortlichen meist verkannt wird.

Viel ärmer sind die Kinder aus Memleben dran, da endet die Welt meist am Grenzstein. Internet, Circusschule und unser Beruf erzieht unsere Kinder zu einer neuen weltoffenen Generation. Unsere Circuskinder nutzen die Möglichkeiten in Kontakt zu treten und zu bleiben. Natürlich haben auch wir Oldies nun die Möglichkeit unsere Freunde usw. überall zu erreichen, egal wo sie sich aufhalten. Ich frage mich manchmal, wie wir das Leben bisher ohne diesen Fortschritt meistern konnten. Ja, das waren die Zeiten, wo ich auch noch Bücher gelesen habe. - Heute lesen wir keine Bücher, sondern haben eine Buchhaltung. Wir jonglieren weniger mit Bällen als mit Zahlen. Wir möchten Künstler sein, kennen aber die Gesetze meist besser als diejenigen, die sie überprüfen sollen. Trotzdem, ich glaube wir bleiben was wir sind, denn wir sind stark und wenn man (der Staat) das Individualistentum auch mehr anerkennen würde, dann hätten wir auch mehr Leute, die nicht als Hartz IV Empfänger enden, sondern wieder mehr Mut zum Leben hätten und Energie entwickeln würden.

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Mo, 18.1.2010: Das wahre Fest der Nächstenliebe...
 

...fand für mich am 5.1.2010 statt. Es ärgert mich immer, wie "dankbar" die Menschen doch in Bezug auf Freikarten sind. Sie besitzen sogar die Unverfrorenheit ihre Adresse zu hinterlassen, damit sie im nächsten Jahr, weil sie umziehen, auch eine Freikarte bekommen oder eine weitere wollen, weil sie jetzt geheiratet haben, die Nachbarn auch welche haben oder sie äußern Wünsche bezüglich des Datums. Lieber geht die Familie getrennt in den Circus als eine Freikarte verfallen zu lassen. Um so erstaunter war ich, als an diesem besagten 5.1. im Pulk der vielen, die nun die letzte Möglichkeit die Freikarten einzutauschen nutzten, eine Familie war, die mit vielen Kindern beglückt war, aber leider nicht reserviert hatte und nun keine Karten mehr in der gewünschten preiswerten Sitzkategorie bekommen konnte. Ganz spontan reichte eine Besucherin aus der Schlange der an der Kasse Wartenden ihre Freikarte nach vorne und meinte: "Vielleicht ist Ihnen und ihrer Familie damit geholfen." Die Familie war ganz sprachlos und die Umstehenden klatschten spontan Beifall. Das war ein Augenblick, der alle sehr berührt hat. Einige Kunden später war die Spenderin an der Reihe und meinte: "Dann kann ich mir selbst auch eine Belohnung gönnen und möchte gerne einen Logenplatz!" Ich glaube, dass ich auch im Sinne der Direktion gehandelt habe, wenn ich der Dame eine ermäßigte Karte gab, obwohl sie keinen Ermäßigungsanspruch hatte. Die Frau war richtig sprachlos und überglücklich. Sie reichte mir die Hand und sagte: "Dies ist ein schöner Tag!"

Wehmut kommt auf, wenn einen Tag später die letzte Vorstellung des 14. OWC stattfindet, Frau Oschkinat fand während des Finales wieder dankende Worte für uns. Auch nach 12 Jahren ist neben einem Teil Routine eben immer noch das ganze Herz mit diesem Circus verbunden. So manches  Finale beginnt mit den Worten: "Alles was ein Anfang hat, muss auch ein Ende haben". Unser persönliches Finale kam ein paar Tage später, als Frau Oschkinat es anders ausdrückte. Sie bezeichnete es als Sendepause, denn ziemlich abrupt und ohne jegliche Begründung kam die Kündigung. Spielen die Kosten eine Rolle? Laut Aussage von Anja Oschkinat war in diesem Jahr ein Besucher-Rückgang von 25 Prozent zu verzeichnen. Nachdem es kein Liveorchester mehr gibt, ist nun auch der Posten des Ansagers frei? "Wer Peanuts zahlt, bekommt Monkeys", so ein Spruch von Anja. Wir hoffen und wünschen, dass sie Ersatzpersonal bekommt, das dem Weihnachtscircus würdig ist, verdient hat er es. Dieses den Lesern meines Tagebuches nur zur Info, um Gerüchte und Spekulationen einzudämmen. 

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Mo, 7.12.2009: Ungewöhnlicher Tierdiebstahl und unseriöse Circusmanieren

Es gibt Leute, die logieren in einem Nobelhotel und haben aber trotzdem Appetit auf Fischstäbchen, was so eine Sterneküche nicht auf dem Speiseplan hat. So brachte Klaus als Überraschung die Fischstäbchen an die Rezeption, wo man diese an einen anderen Bediensteten weiter gab. Der Küchenchef wollte die Tierchen auch gerne für den Stammgast zubereiten, aber in der Küche kamen diese nicht an. Welche Schlagzeile: "Fisch(stäbchen)" aus Luxusherberge entführt. Aber es war wohl nur ein logistischer Fehler, denn nach ein paar Stunden waren sie doch in der Pfanne.

Zum anderen liest man ja, dass Circusunternehmen es teilweise lieben ihren Namen zu ändern und damit für Verwirrung sorgen, was einige zu Mutmaßungen von unseriösen Machenschaften kommen lässt. Nun war ich in Berlin und wollte zum Hauptbahnhof. Der liegt ja nun im Ostteil der Stadt, in der Nähe des Spreeparks, mir noch von unserem dortigen Engagement bestens bekannt. Man ist ja froh, wenn man sich in einer Stadt auskennt und man sich nicht durch unverständliche Busfahrpläne lesen muss. Es machte mich auf der Fahrt nur stutzig, warum ein Circus sein Gastspiel am Hauptbahnhof ankündigte und in Klammern die Invalidenstraße nannte. Sollte dieser Circus nicht ganz ortskundig sein und somit wieder für Lacher für seine falschen Plakate sorgen? Nun wurde ich unsicher und fragte doch mal nach und erfuhr, dass der Hauptbahnhof nun der Ostbahnhof ist und der Bahnhof Invalidenstraße (eine ehemalige S-Bahnstation) nun als Hauptbahnhof ausgebaut wurde. Aha, also auch die Bundesbahn neigt zu Umbenennungen und Verwirrungen. Aber ich war wohl schon lange nicht mehr in mein Heimatstadt, um solches mitbekommen zu können. Auch die Preispolitik scheint nicht überall identisch zu sein, denn auf der Hinfahrt erklärte man mir, dass es keine Schülerfahrkarten gibt. Auf der Rückfahrt bekam ich aber eine. Und wer schon mal eine mehrstündige Nachtfahrt in einem Abteil mit so genannten Ruhesessel verbracht hat (der Werbeslogan lautet: Hier werden Träume wahr), der definiert das Wort Ruhe danach völlig anders. Es ist erstaunlich wie viele unterschiedliche Töne ein menschlicher Körper produzieren kann. Wenn man das mit den ca. 30 Reisenden multipliziert ein musikalischer Ohrenschmaus. Außerdem lernt man auch etwas über Klimaerwärmung und Zerstörung der Ozonschicht, wenn man sich über Stunden in einem ungelüfteten Raum aufhält. Die Stimmung kann durch Verspätungen und Personal, was genauso ratlos ist wie die Reisenden, nicht besser werden. Die Reise war also wirklich ein Erlebnis und wir waren froh als wir endlich wieder ein Chapiteau sahen und in unser Bett fallen konnten. Mein Sohn meinte: "Zuhause ist es doch am schönsten!" Wie Recht er doch hat. Aber er meinte damit nicht nur unsere 4-Wände, sondern eben das Leben, wie wir es leben.


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Ein Wassersack, der sich gebildet hatte und es einen erstaunt, welche Last ein Zelt aushält und wie man Material belasten kann, hatte Tage zu vor seine ganze Aufmerksamkeit gefordert. Bei einem plötzlichen Wolkenbruch, es schüttete wie aus Eimern, bildete sich in Windeseile ein Wassersack. Nach erfolgreichen Bemühungen unseres 15-jährigen Filius, steht das Zelt wieder aufrecht und ist dem nächsten Regenguss besser gewappnet.

Allen ein frohes Weihnachtsfest und auf ein circensisches 2010 - BATAMA & family

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Mo, 17.8.2009: Oldtimer-Treffen

nicht alles was einem durch den Kopf geht, kann man auch in Worte fassen und einiges, was man so liest, macht einen sprachlos. Gott sei Dank hat man gute, alte Freunde, denn ich glaube, heutzutage neue wahre Freunde zu gewinnen, ist um einiges schwieriger. Mancher nennt sich Freund, aber ich frage mich, ob er nicht eher mein Feind ist? Wir haben circensische Sommerpause und auch in diesem Jahr führte es uns nach Platschow auf den Elefantenhof. Zunächst konnten wir das Oldtimer-Treffen miterleben. Wirklich rein zufällig hatten wir an diesem Tag auch lieben Besuch von Ulla Müller. Sozusagen kann man das auch als Oldtimer-Treffen bezeichnen, denn Ulla Müller war Lehrerin bei Busch-Roland und hat damals auch Lillian und Nadja Kröplin unterrichtet. (Lang ist es her) Da die Verbindung zu den Circusleuten nie abgerissen ist, besucht man sich hin und wieder. Und da Ulla eine gute Freundin von Wolfgang Krenzola war, wurde sie sozusagen auch an Krenzola Junior weitergegeben. Wenn man also mit diesen befreundet ist, bleibt es nicht aus, dass man auch Ulla kennt, die dann auch mal einen Abstecher zu Weihnachten nach Offenburg macht. Jugendliche Frische, Aktivität und Elan hat also nichts mit dem Alter zu tun, sondern ist auch eine Lebenseinstellung.


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Spannend ist es jeden Tag auf dem Elefantenhof und als nächstes haben wir uns dann in die Vorbereitungen für die Dschungelnacht gestürzt. Im wahrsten Sinne des Worte für mich persönlich, denn ich hatte einen kleinen Unfall und äußeres Erscheinungsbild war gesichtsmäßig nicht ganz manegentauglich. Not macht erfinderisch und mit Sonnenbrille war ich zwar nicht die Attraktion
des Abends, aber bestimmt sehr stilvoll. Bobo hatte am Abend auch sein Debüt als Fakir auf dem Nagelbrett mit Frau Meyer. Und natürlich genauso stolz wie die Familie Frank-Kröplin sind wir als Eltern, wenn unsere Kinder das Bewusstsein für die Tiere übernommen haben und mit voller Verantwortung für die Tiere ihren Tag verbringen. Alle jammern und reden von Krise, aktiv und kreativ muss man sein und nicht jammern, das hilft nicht. Und ich glaube, dass die meisten  Tierleute, weil wir ja schon immer sozusagen mit Mist zu tun haben, auch eher mit dem Mist des Lebens umgehen können, um auf anderen Wegen wieder auf den richtigen Weg zu finden. Und wenn man sieht, wie vielen Menschen man Freude bereitet und sie unsere Arbeit zu schätzen wissen, dann macht einem unser Beruf mit den Tieren doppelt soviel Spaß. Natürlich findet man auf dem Elefantenhof die Elefantenfreaks und man mag es nicht glauben, dass besonders die Damen die grauen Riesen als Tattoo mit sich herum tragen. 

Es ist zwar ein hartes Arbeitsleben, aber nicht so, dass man nicht weiß, auch Feste feste zu feiern. Vielleicht sind wir da als Circus- und Tierleute noch nicht so ganz dem Medium Fernsehen verfallen, dass wir nicht auch nach einer besonders gelungenen Arbeit, dieses zu würdigen wissen und das nicht allein vor der Glotze, sondern in der Gemeinschaft. Wer mit den Hühnern aufsteht, geht auch mit ihnen schlafen, aber wenn es einen Anlass gibt, dann verbringt man ihn gemeinsam. So gibt es zwar genug Arbeit, aber man darf daran nicht den Spaß vergessen. So ist es ja nicht so, dass wir nur dem Publikum Freude bereiten, sondern die Besucher teils auch uns, denn wer uns sieht, den sehen wir ja auch. Manchmal fragt man sich, warum ein Besucher so animiert ist, dass er nun gleich einen afrikanischen Tanz aufführen muss. Nein, er hat nur eine Begegnung mit einer Wespe. Würde es regnen, würde Jeder nur meckern. Aber ein Besucher erregte unsere Aufmerksamkeit, weil er mit einem Taschenventilator sich etwas Kühlung verschaffte. Weil er das Gerät so seltsam hielt, dachten wir, dass er die Leute mit einem Mikrophon interviewen würde, aber ihm war es nur zu warm.


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Aber unsere Tiere zu beobachten, macht uns mehr Spaß. Meine Henne Bertha, drängt sich bei der Elefantenfütterung richtig aufdringlich dem Publikum auf und hüpft an ihm hoch, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Nur ihr wurde jetzt die Show von Toni gestohlen, dem Pelikan von Hölschers, der sich sehr interessiert an der Seelöwenshow von Erwin Frankello zeigte. Er fand sich zur Vorstellungszeit dort immer ein und nahm zwischen den Besuchern Platz und verfolgte die Show. Während der Mann meiner Henne Bertha, der mir gar nicht gehört, sondern der aus Liebesgründen zur Henne zu uns gezogen ist,  nun mehr in sich selbst verliebt ist, weil ich seit kurzem einen Spiegel in meinem Wohnwagen habe und er sich selbst darin sehen kann und er nun den jede Gelegenheit nutzt, sich dort selbst zu betrachten. - Wie sagt man doch: Jedem Tierchen sein Pläsierchen!

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Mo, 30.3.2009: Freitag der Dreizehnte

Wir Circusleute sind  abergläubisch, dabei kommt es aber auch wohl darauf an, wo man lebt. Also Frau Oschkinat erzählte mir, dass Ihr Lieblingsitaliener ihr gesagt hat, dass in Italien die Dreizehn eine Glückszahl sei. Ich bin ja auch am Freitag, den 13.2. zum Tierlehrertreffen gefahren und trotz des Schnees nur etwas später dort eingetroffen, aber ohne Pleiten, Pech und Pannen. Dass auf der Heimfahrt die Handbremse vom Auto eingefroren war, fand an einem fünfzehnten statt und lag auch nur an fraulicher Dämlichkeit (sagt mein Mann!). Nun ist im März auch wieder ein Freitag, der 13. und der machte sich gleich ab 0.00h bei uns bemerkbar. Zwei Stunden hatte ich an einem unangenehmen Brief herumgedoktert und musste ihn nur noch abdrucken. Man drückt auf drucken und …………. nichts tut sich, man sieht nur eine Eieruhr. Ein zaghaftes „Klaus“ kam über meine Lippen, der ahnte es aber schon: Frauliche Dämlichkeit! Ich war noch die Ruhe selbst, lag wohl daran, dass ich Halsschmerzen hatte, aber der ruhige, besonnene Ansager geriet trotz der späten Stunde in Action. Der Computer wurde immer heißer, der Bildschirm immer schwärzer und mein Schreiben war auch nicht mehr auffindbar und der ganze Computer sagte dann auch keinen Pieps mehr. Also was soll man machen? Am besten ins Bett gehen, dieser Freitag der 13. war erst zwei Stunden alt, vielleicht sieht bei Tageslicht aber alles wieder freundlicher aus?

Das war aber nicht so, meine Halsschmerzen zogen sich bis in die Zähne und zum Ohr hoch. Dafür tropfte der Wasserzulauf an der Toilette, was meinen Mann schon seit Monaten vor Rätsel stellt. Wenn man morgens sich nicht wohl fühlt und dann mit nackten Füßen im Bad in kleine Pfützen tritt, findet man das nicht lustig. Auch ein neuer Morgen änderte nichts. Da wir eine externe Festplatte haben, war der Schaden nicht so groß, aber mein wichtiges Schreiben war trotzdem weg und unsere ganzen Mails, einschließlich aller Telefon- und Mailnummern. Das fand nun wiederum unser Sohn ganz okay, denn auch seine Online-Hausaufgaben waren somit verschwunden und da es nicht regnete, wollte er lieber den Auspuff am LKW wechseln. Das sollte man an einem Freitag den 13., besser nicht machen, es klappt nicht. – Während mein Mann zum Computerdoktor unterwegs war, entfalteten sich meine Schmerzen am Unterkiefer ins Unerträgliche. Ich konnte kaum noch sprechen und dachte, dass ich bei jedem Schritt gleich umfalle. So gab es dann auch erst später Mittagessen, was dann den ganzen anderen Zeitablauf durcheinander brachte. Ein Computer ist schneller repariert als ein Zahn, aber bis dann alles wieder auf dem Computer so ist, wie es sein soll, das dauert. Schwieriger ist es, einen Zahnarzt zu finden. Ich weiß nicht, wenn ich samstags den Notdienst anrufe, tue ich das bestimmt nicht, weil mir langweilig ist. Und Notdienst ist ja auch übertrieben, wenn dieser nur zwei Stunden zur Verfügung steht. Helfen tut der Notdienst nicht wirklich, aber immerhin hat man nun eine Bestätigung, dass man wirklich Schmerzen hat.

Neue Stadt – neues Glück! Also Anruf beim Zahnarzt: Ich habe Zahnschmerzen! Man bekommt immerhin eine Antwort des Bedauerns, aber Termine gibt es erst wieder in zwei Monaten. Da die Hoffnung bekanntlich zu letzt stirbt und man nicht aufgibt, hat sich dann doch ein Arzt meiner erbarmt.  Bzw. man muss ja erst mal die Hürde der Sprechstundenhilfe überwinden (Danke Dr. Schulz & Team in Rheinbach, rundum alles sehr patientenfreundlich, da könnte man direkt auf den Geschmack kommen, öfter Zahnschmerzen zu haben). Somit etwas lebensfroher kehrte ich am Dienstag vom Arzt nach Hause zurück und an einem Reisetag sollte man sich auch mal was gönnen, nämlich einfach nur mal ein halbes Stündchen sich aufs Sofa legen. Nee, denn anscheinend war auch am Dienstag immer noch der 13., denn kaum hatte ich Sofakontakt kam mein Sohn und deutete mit schmerzverzerrtem Gesicht auf seinen Zeh. Der Zehnagel war dunkelblau und zwischen Nagel und –bett lief das Blut, also ab mit Papa ins Krankenhaus. Gut das die Situation nicht lebensbedrohend war, denn dieses Krankenhaus brauchte zwei Tage mit Röntgen, CT etc. um festzustellen, ob was gebrochen war, solange erst mal Gips. Gott sei Dank, es ist eben nur der Zehnagel, der sich bald verabschieden wird und eben sehr weh tut, aber es gibt Schlimmeres.


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Und wie man sieht, wenn es darum geht mal mit dem Radlader in luftige Höhen gehoben zu werden (um einen Wasserschlauch über die Straße zu ziehen), dann ist auch der Restschmerz vergessen. Die Toilette ist auch repariert und da der Junior auch wieder fit ist und die Sonne scheint, kann man nun zu zweit dem LKW-Auspuff zu Leibe rücken. – Ich werde Schuhe putzen, denn bei dem Regen und dem Matsch ist es nicht so leicht, so sauberen Schuhwerkes in die Manege zu kommen, wie es sich gehört. Man liest da ja so einige Kritik, die nicht unberechtigt ist, aber wer Tiere hat, kann sich seine Wege, um sauberen Schuhwerkes in Manege zu kommen, nicht immer so aussuchen. Ich persönlich finde es schrecklich, wenn man unsaubere Schuhe hat. Ich habe vor Jahren Shirley Dean bei Barum gesehen und war fasziniert, allerdings habe ich mich kaum an ihre Darbietung erinnert, mir fiel auf, dass sie super saubere Schuhe hatte. In Offenburg beim OWC habe ich letzten Winter Shirley persönlich kennen gelernt und sie darauf angesprochen, wir haben viel darüber gelacht. Natürlich nimmt man sich solche Kritik zu Herzen, aber wenn man es ändern könnte, würde man es tun. Aber auch dieses macht den Circusbesuch zu einem Live-Erlebnis.

Manchmal sind es ja die „Kleinigkeiten“, die einen beschäftigen und die wichtigen Dinge geraten zu schnell in Vergessenheit. Es gibt Dinge, die sind für uns Circusleute immer präsent, auch wenn sie nicht gerade in den Medien für Schlagzeilen sorgen. Ich habe in den letzten Wochen vieles gelesen, was die Gemüter zum Kochen brachte, aber jetzt hat sich wieder Frühlingsstimmung breit gemacht und beim nächsten „Unwetter“ erinnert man sich wieder, dass es auch andere Zeiten gibt. Es hat aber nichts mit der jeweiligen Stimmung zu tun, sondern jeder, der Tiere hat und auch seinen Beruf damit verbindet, weiß, dass es nicht nach Lust und Laune geht, sondern mit Liebe, ständigem Einsatz und der täglichen Wahrnehmung der aktuellen Situation.

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Fr, 23.1.2009: Schade! Kein (Weihnachts-) Circus mehr!

Ich hoffe, dass jeder normale Besucher eines Weihnachtscircus eine Circus-Veranstaltung besucht hat, die ihn auch zufrieden gestellt hat. Bei den Circusfreunden muss ich jedoch davon ausgehen, dass sie  noch weiter wetteifern, wer nun den besseren gesehen hat und welcher Circus wie viele Besucher hatte usw., usw., usw. – Das war ja richtig Stress, was sich zur besinnlichen Weihnachtszeit so mancher Circusfreund angetan hat. Reisen von Circus A nach Circus B, um bei Circus C darüber nachzudenken, ob A oder B besser waren.

So wünsche ich für 2009 ein zufriedenes Circuserlebnis und …

Wenn es um das Wetteifern bei Besucherzahlen geht, ist es nicht mein Ding, da mitzubieten. Ich hätte aber etwas anzubieten, was bei den meisten Circusfreunden nicht zu den circensischen Highlights zählt, aber bei den Offenburger Bürgern, der Gottesdienst! – Da gibt es Besucherrekorde! Und der Kritiker, der dem Circus zu neuen Wegen rät, hätte da einen Eindruck, wie vielseitig Circusleute sind. Außerdem hat es noch Niemandem geschadet, an etwas zu glauben und wir Circusleute sind gläubig. Dass die ortsansässigen Kirchen  neidisch auf unsere circensisch-kirchlichen Besucherzahlen blicken, lässt doch Rückschlüsse zu. Wir haben schon mit Großbildleinwand den Gottesdienst ins Foyer übertragen, da nicht mal mehr eine Maus im Hauptzelt ein Plätzchen gefunden hätte. Selbst an anderen Sonn- und Feiertagen schauen ca. immer 100 Leute vorbei, in der Hoffnung, dass es vielleicht einen Zusatzgottesdienst gibt. Die ZDF-Übertragung des Gottesdienstes 2002 hatte Höchsteinschaltquoten und wir selbst hatten Resonanz von uralten Freunden, wo  der Kontakt abgebrochen war. Aber wir Circusleute werden selbst von der Kirche vernachlässigt. Es spielt bei uns keine so erstrangige Rolle welche Konfession, wir sind multi-kulti, aber wir möchten auch eine Person für uns und nicht Mister No Name. – Namen wie Pangritz, Leuschner oder Schönig, das waren nicht nur Namen, sondern Persönlichkeiten des Vertrauens, die in Circus- und Schaustellerkreisen bundesweit bekannt waren. Sorry, aber als Evangelist muss ich jetzt meine Sorgen einem Vertreter in der zuständigen Region anvertrauen, den muss ich erst mal ausfindig machen,  obwohl er für uns Circusleute zuständig ist. Früher, ja früher, da war das alles anders. Und wir hatten nicht nur unseren Zuhörer für unsere Sorgen, sondern jemand, der an unserem Leben teilgenommen hat und das konnte gerne auch mal eine zünftige Party sein. Mann, ich erinnere mich an Zeiten, wo noch „M-T-S“ in der Deutschlandhalle stattfand, da gab es auch einen Gottesdienst und anschließend nicht nur ein „Abendmahl“.


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Nach 5 Jahren bekomme nun auch ich mit, dass es einen neuen Mann bei den Katholiken gibt. Nun, man hält ihn optisch eher für eine Auferstehung von Sherlock Holmes. Lustig wie im Krimi beim diesjährigen Gottesdienst, da hätte man doch fast den Gottesdienst ohne ihn angefangen, weil er wohl bei dem köstlichen Hotel-Frühstück die Zeit vergessen hat oder woran lag’s? Aber mein Mann ist ja schon ein erprobter „Prediger“, seine diesjährige Test-Einlage wurde sogar von den Gottesdienstbesuchern in schriftlicher Form als Andenken angefordert. Im Stillen hätte ich vielleicht eine Fürbitte für den echten CIRCUS erwartet. Und ich muss nicht erklären, was ich darunter verstehe. Ich selbst würde mir wünschen,  dass auch unsere Kinder mit dem gleichen Stolz und Verantwortungsbewusstsein die Tradition weiter fortsetzen können und darin von all den Freunden des Circus und der Tiere unterstützt werden.

... gerade deshalb, allen ein besonders animalisches Circuserlebnis 2009!

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Do, 6.11.2008: Ach was, das ist doch interessant!

Eigentlich war mein Tagebuchartikel schon längst fertig. Darin hatte ich mir so meine Gedanken über gewisses Verhalten gemacht, aber kein passendes Foto zum Text gefunden. Aber die Zeit rennt und ist schnelllebig, heute gelesen oder gehört und morgen schon nicht mehr aktuell, es gibt andere „Sensationen“  und Spekulationen. Aber über etwas sehr weltbewegendes konnte ich kürzlich in einer ordentlichen Tageszeitung lesen. Halbseitig und in Farbe bebildert, las ich da über eine Zoo-WG zwischen Elefanten und Hühnern. Über dies wohl so einmalige Ereignis wurde selbst ein Artenschutzexperte zu Wort gebeten. Ich suchte nun selbst in unserem Fotoarchiv, fand aber kein einziges Foto meiner Hühner in einer dieser WG-Szenen. Wahrscheinlich würdigen wir dies als Circusleute nicht mit dem nötigen Ernst der Wissenschaft. Meine Hühner sahen mit ihrer Anwesenheit um Sonny Frankellos Elefanten auch keinen Unterhaltungsaspekt für die grauen Riesen oder umgekehrt. Aber Elefanten krümeln beim Fressen und auch was hinten heraus fällt, hat auch noch genug unverdaute Leckerbissen in sich. Die Gefahr für’s Huhn lag in meinen Augen darin, dass das Huhn bei der „Futterausgabe back stage“ von oben den Blick auf dem Boden hat und durch den Nachschub erschlagen wird. Ein Mäuschen hat so leider einmal sein Leben lassen müssen.

Ich frag mich nur, warum kümmert sich die Wissenschaft nicht um die Tiere, die die  Zeitumstellung verarbeiten müssen? Meine Hühner sind Freigänger, sie richten sich nach der Sonne und kommen nach Hause, wenn die Dämmerung einsetzt. Die ersten zwei Tage nach der Umstellung bemerkt man trotzdem bei ihnen eine Verwirrung, das es nicht zusammen passt, dass die Vorstellung noch läuft und es trotzdem dunkel ist. Unser „Couch potato“ (Hund) hat da kein Verhältnis zur Sonne, seine innere Uhr will um 18 Uhr Sommerzeit sein Fressen und einen richtigen Spaziergang machen. Die Winterzeit ist ihm im wahrsten Sinne Sch… egal!

Die Reisesaison neigt sich nun für uns langsam dem Ende zu, bevor es wieder nach Offenburg zum Weihnachtscircus geht. Es war eine sehr schöne Saison, auch wenn sie ganz anders verlief als man im März noch erahnen konnte. Natürlich auf meiner letzten Fahrt in der Saison musste ich mich noch verfahren. Allerdings eigentlich hat sich mein Mann verfahren, der ist dem Navi gefolgt und ich nur den Hinweisschildern und schon waren wir getrennt. Aber dann in der Gastspielstadt ist die Frage: Wo muss ich hin? Früher gab es ja auch keinen Navi und wir haben immer die Plätze gefunden. Komisch nur, wenn man nach dem Weg fragt, trifft man nur auf Touristen und mit einem Sattelauflieger wird man als Suchender auch eher zu einem Verkehrshindernis. Ein älterer Herr per Drahtesel war dann so nett und wollte unbedingt mir vorausfahren. Ich sagte noch so aus Spaß: „Aber nehmen sie bitte nicht den Fahrradweg!“ Und genau das passierte, er bog in einen Waldweg ab. Nun Circusplätze haben ja manchmal die unmöglichsten Zufahrten, also folgen oder nicht? Ich entschied mich dann doch eher dagegen und als ich dann auch ohne seine Hilfe am Circusplatz angekommen war, kam auch mein Opa angeradelt und war ganz erbost, dass ich ihm nicht über die Abkürzung gefolgt bin. Wer weiß, vielleicht wäre es gut gegangen. Aber in Mainz habe ich auch einem Fußgänger Glauben geschenkt und stand dann vor einer Brücke mit 3,80m und musste rückwärts bergab wieder den Rückweg antreten. Daran zu denken verursacht bei mir immer noch Gänsehaut.

Es ist auch seltsam, dass die Circusplätze im Sommer Asphaltplätze sind und am Hallenbad gelegen und jetzt im Herbst stehen wir auf herrlichen Wiesen an Seen oder Freibädern Das erste herbstliche Windchen erlebten wir auch genau beim Herausziehen des Zeltes. Die Arbeiter schwebten plötzlich und unerwartet wie die Engelchen durch die Lüfte. In einem solchen Moment zum Fotoapparat zu greifen, hätte das Foto des Jahres ergeben, aber daran denkt man dann weniger, man hilft, wo man kann.


Foto: © www.batama.de

So und nun ergibt sich immer noch die Frage, welches Foto ich dem Text beiordne? Ich muss ja immer schmunzeln, wenn Gestalten um den Circus schleichen und fotografieren und wenn sie sich beobachtet fühlen, dann schnell den Apparat verstecken. Außerdem ihre Beobachtungen gehen immer höchstens nur bis zum herunterlassen der Masten, dass die Kleinarbeit, wie z.B. Anker ziehen auch dazu gehört, das wird dann nicht so beachtet und dauert ja auch zu lange und bringt keine tollen Fotos. Leid tat mir nur ein kleines Mädchen, was sich bei strömendem Regen am Vormittag die restlichen Abbauarbeiten ansah und ein weiteres Augenmerk dabei auch auf unseren Sohn geworfen hatte. Nur leider als sie dann ein Foto hätte machen können, da versagten die Batterien. Aber das sind die wirklichen Fans, die das Angebotene ohne Wenn und Aber so in sich aufnehmen und nicht die Dinge mit mehr Kritik als Anerkennung nur hinterfragen müssen. So nur ein Foto aus unserem Archiv, was keine neue Science-Fiction Produktion darstellt, sondern einen plötzlichen Wassereinfall in die Manege zwischen den Vorstellungen, der mit zusätzlichem Feuerwehreinsatz schnellst möglichst behoben werden musste.

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Sa, 30.8.2008: Freunde, Geburtstage und Elefanten

Vor 30 Jahren saßen wir mit Sonny Frankello und seinen Eltern im Camping im Temprodrom in Berlin und einige Zeit danach trat mein Mann mit Lilian und Nadja Kröplin im TV bei „Einer wird gewinnen“ auf. Wer hätte damals gedacht, dass wir 2008 unsere Sommerpause auf dem Elefantenhof von Lilian und Sonny in Platschow verbringen werden. Im Laufe der Jahre ist man sich natürlich auch des Öfteren begegnet etwa beim Berufsverband der Tierlehrer oder beim Weihnachtscircus in Offenburg. 2005 war ich mit Krenzola jr. zum Kürbisfest auf dem Elefantenhof und schon damals total davon begeistert. Ein Zelt, total auf afrikanisch gestylt, zog mich schon seiner Zeit in den Bann. Die Familie hat nicht nur circensisches Können sondern ist auch handwerklich sehr geschickt, so dass die Deko teils in eigener Handarbeit gefertigt wurde.


Foto: © www.batama.de

Dieses Ambiente nutzen wir nun auch für eine Party, denn mein Mann feierte einen runden Geburtstag und saß zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Elefanten. Ich glaube in Zukunft wird er den Elefantenreiterinnen mehr Respekt zollen. Ich saß schon bei Busch-Roland auf Jeany Büglers Rüsseltieren, es sieht eben manches einfacher aus als es ist. Auch Bobo, unser Sohn, hatte Geburtstag und als Überraschungsgäste kam sein Freund Patrick Malmström mit Bruder Marko und Familie, denn die Beiden gingen in Offenburg schon zusammen in den Kindergarten und obwohl man sich höchstens einmal pro Jahr treffen kann, ist diese Freundschaft unzertrennlich.

Auf dem Elefantenhof gibt es ja nicht nur Elefanten, sondern auch anderes Getier und eben viele Besucher und somit viel Arbeit. Wie man Pommes macht, habe ich bei Herrn Fleischmann in seinem Erlebnispark in Memleben 2005 erlernen dürfen, diese Fertigkeit kann ich nun auch hier in den Dienst stellen. Circusleute sind eben vielseitig. Und vielseitig ist auch das Angebot im Elefantendorf. Da gab es schon die Dschungelnacht. Sonny als Häuptling Bambulini und Nadja als Gazelli man kann es nicht beschreiben, man muss es erleben, wie einige Circusfreunde aus dem Norddeutschen Raum. Halbschwester Mona als Medizinfrau war so echt, dass einigen Besuchern, erst mal der Atem stockte. Am 31.8. ist das Kindercircusfestival, wofür auch Sohn Marlon und Bobo sich eine eigene Nummer haben einfallen lassen. Wenn der Park um 18 Uhr seine Tore schließt, geht es weiter hoch her, wenn die Kids probieren, ist die ganze Familie mit Eifer dabei. Jeder, ob es die Geschwister  Erwin oder Jennifer oder Oma Marion ist, jeder gibt seinen „Senf“ dazu und es ist immer trotz eines anstrengendes Arbeitstages ein spaßiger Abend. Aber man macht sich auch seine Gedanken, was man am Kürbisfest am 14.9. präsentiert – für jedes Fest wird umdekoriert und ein verändertes Programm gezeigt.

Und dann gibt es die Chaostage: Sonny musste mit dem LKW weg, den aber jemand nicht ausgeladen hat. Der Arbeiter, der schnell beim Entladen helfen soll, hat aber erst mal Mittagspause. Erwin hat vergessen seinen Fisch für die Seelöwen aufzutauen und gleich ist Show. Ein aufziehendes Gewitter bringt etwas Unruhe in die Tiere und mitten in den Proben für den Kinderzirkus verletzt sich Bobo an der Hand. Klaus musste dann mit ihm ins Krankenhaus, wo der lädierte Finger  genäht werden musste. Da ist man dann mit seinen Gedanken ganz woanders, aber davon darf das Publikum nie was bemerken. Umso erstaunter war Lilly, als Sonny mittendrin ihr in aller Öffentlichkeit einen Kuss gab. Ja, auch das muss mal sein.

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So, 6.7.2008: Fußball und "Musik hängt in der Luft"

Es gibt ja nichts peinlicheres als, wenn bei einer Vorstellung der Strom ausfällt und davon die Licht- oder Tonanlage betroffen ist. Ich möchte gar nicht von der Gefahr sprechen, die bei einem Stromausfall eventuell für eine Nummer in Betracht kommt. Aber hinter den Kulissen bricht bei den Verantwortlichen dann der Schweiß aus, um den Fehler schnellsten zu beheben. Wenn man aber  bei der EM entspannt vor dem Fernseher sitzt und man dann mit einem Ton- und Bildausfall konfrontiert wird und man kein so 100%tiger Fußballfan ist, dann kommt dabei eine gewisse Schadenfreude auf. Ich möchte nicht wissen mit welcher Hektik dort nach dem Fehler gesucht wurde. Bei uns fiel meist der Fernsehempfang aus, weil die Satellitenanlage auf Regen reagiert, wenn sie nicht perfekt eingestellt ist. Und es regnet immer, wenn im Fernsehen mal etwas Spannendes zu sehen ist.


Foto: © www.batama.de

Bewundernswert wie friedlich und als Party diese internationalen Spiele ablaufen können. Als wir in Bochum gastierten und das Stadion dort in einigen Metern Entfernung vom Platz liegt, ist es schon beängstigend, wenn Hundertschaften von Polizisten die Fans vom Bahnhof zum Stadion begleiten müssen. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Polizei war unser Circus aber gut geschützt und dass mein Mann von den bekannten TV-Polizisten Toto und Harry „verhaftet“ wurde, war nur ein Gag. Inszeniert hatten unsere Kids die Sache, denn auch Circuskinder haben Kinderwünsche, die die Polizei spontan erfüllte – vielen Dank. Aber wir haben auch schon andere Erfahrungen gemacht, wo die Polizei überfordert war und nur empfahl Frauen und Kinder lieber zu evakuieren. Bzw. wenn man sie braucht, sind sie nicht wirklich zuständig oder man ist nicht  Opfer, sondern letztendlich Täter. Als wir und Passanten zwar nur von einem Einzelnen belästigt und sogar verletzt wurden, war die Empfehlung, den armen Mann nicht anzuschauen oder anzusprechen, er mag das nicht. Und selbst wenn nachts die Circuswagen als Schießscheibe für einen Waffennarr herhalten müssen, muss man als Gegenmaßnahme eben sich selbst schützen. Hinterhältig finde ich aber, dass die Polizei so Kästchen aufhängt und einem dann Fotos mit schlechter Qualität zusendet, die man auch noch bezahlen muss.

Kaum im Sommerquartier angekommen, hatten wir den Verlust eines Huhnes zu melden. Leider war dafür keine Polizei zuständig, denn der Dieb war ein Fuchs. Sonst ist hier auch nichts los. Wenn man den Mais wachsen hören möchte, dann ist man hier richtig untergebracht. Natürlich gibt es im Circus immer was zu tun und da mit Musik alles besser geht, so auch bei den Mitarbeitern. Sie besitzen eine CD, die man seit Saisonbeginn nun bei jeder Gelegenheit abspielt. Man versteht zwar nicht, was da gesungen wird, aber in einem Lied heißt es: Hopa hopa hopa! Dies passt hervorragend, wenn man mit dem Auto über die Kopfsteinstraßen fährt. Umso erstaunter war man, als neulich uns doch mehr bekanntere Musikstücke entgegen schallten. Woher kam plötzlich diese Vielfalt musikalischer Genüsse? Der nächste Laden, wo man evtl. solche Dinge erwerben kann, liegt mindestens 15 km weg von uns. Die Verständigung ist zwar nicht so einfach, aber soviel haben wir doch kapiert, dass die CDs im Wald an den Bäumen „wachsen“, da sollen sie allerdings den Autofahrer gegen das Wild schützen. Wer käme auf die Idee, dass diese CD’s auch bespielt sind? Nun wissen wir es ja, aber bitte: Liebe Kinder - nicht nachmachen!

Diesmal möchte ich auch Grüße senden: Nach Berlin an Gerd und Familie und meine Schwägerin, der wir auf diesem Wege weiterhin alles Gute wünschen.

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So, 11.5.2008: Was ist gefährlicher Tiger oder Insekt? – Und andere lustige Unfälle

Während mein Mann durch den Tigerbiss etwas eingeschränkt über den Platz lief, passierte folgendes: Er musste zur täglich Versorgung der Wunde ins Krankenhaus und nahm gleich unseren Zeltmeister mit, weil dieser seit Tagen mit schiefem Kopf herum lief. Man macht so seine Witze, von wegen ‚raus aus dem warmen Bett und dann nach Hause’, aber der Mann beschwört, dass seine Schmerzen von einem Insektenstich kommen. So kamen beide im Krankenhaus an und mein Mann wurde gleich behandelt, denn Tigerbiss, dies klingt ja gefährlich. Dann kam der Insektenstich an die Reihe und wurde gleich zur Not-OP dort behalten: Drei Tage Krankenhausaufenthalt!  Man sollte eben keine voreiligen Schlüsse ziehen. Mein Opa war Imker und mich haben als Kind bestimmt Bienen in Massen gestochen. Während meiner, inzwischen auf Eis gelegten, Rolle als „Assistentin aus dem Publikum“ saß ich wartend im Publikum und trotz nicht so warmen Wetters wurde mir immer wärmer, fast heiß und mein ganzer Körper juckte. Ich entschuldige mich für meine damaligen Gedanken, weil ich dachte, dass ich mir durch die neben mir sitzenden Personen im Publikum Flöhe oder andere Ungeziefer „angelacht“ habe. Ich fand das gar nicht lustig, nur mein Mann fing an zu lachen und ich merkte auch, dass ich mich veränderte. Ich fühlte mich so, als ob ich immer dicker wurde. Was mein Mann im Nachhinein bestätigte und ich dabei auch rot wie ein gekochter Krebs war. Man konnte nach Beendigung unserer Rola-Nummer nur noch den Notarzt rufen, da ich wie ein Michelin-Männchen aufgeblasen war. Was sich dann als Insektenstich-Allergie herausstellte, weil mich eine Wespe/Biene gestochen hatte.

Wenn man dies weiß, bleibt sie Sache trotzdem gefährlich, aber hat auch lustige Seiten. Denn als es ein weiteres Mal passierte, hatte ich meine Netzstrumpfhose an, dadurch war die Schwellung am Bein, wie das Muster der Strumpfhose. Solche wabenartige Schwellung war dem Arzt zunächst sehr fremd und mit dem Begriff Netzstrumpfhose kann so ein Mediziner nichts anfangen. Bei meinem „Glück“ erwischen mich diese Tiere immer im Kostüm und so holte mich auch der Notarzt ab. Nach einer Spritze kann man dann eigentlich auch wieder das Krankenhaus verlassen. Ins Krankenhaus kommt man mit dem Notarztwagen, den Rückweg muss man selbst organisieren. Notfalls muss man laufen, wenn der Weg nicht so weit ist. Aber geschminkt, im Manegen-Bikini und nur Bademantel zu Fuß durch die Stadt, das ist dann doch peinlich. Beim nächsten Mal war ich klüger, ich nahm meinen Mann als Chauffeur. Eine Frau Doktor war für mich zuständig und ich sollte mich ausziehen. Damals war meine Frau Meyer (mein Alligator) noch sehr klein und ihr liebstes Hobby, mir auf den Schoß zu krabbeln oder mit dem Schwanz zu schlagen. Also waren meine Oberschenkel (von den Krallen) und mein Rücken (von dem Schwanz) mit blauen Striemen übersäht. Diese blauen Striemen veranlassten Frau Doktor erst mal dazu, meinen Mann des Raumes zu verweisen. Als ich auf ihre Fragen was von Circus und Krokodilen erzählte, meinte sie, dass sie schon andere und bessere Ausreden gehört hätte. Dass dies wirklich der Wahrheit entsprach und meine Striemen wirklich nur von den Tieren sind, hat sie nicht wirklich geglaubt.


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Damals in Belgien hat sich mein Mann den Fuß gebrochen und weil er in Gips war, musste ich unsere Rola-Nummer alleine bestreiten. Etwas später benötigten wir einen Tierarzt und hatten den Sohn von den Babusio-Clowns gerufen, weil er Tierarzt ist. Er kam wegen der Schlange, aber in der Vorstellung war ich umgeknickt und so konnte der Tierarzt mich auch gleich mitbehandeln und er stellte fest, dass ich mir den Fuß gebrochen hatte. Wie lustig - Familie Kaulis in Gips, der eine rechts am Fuß, der andere links – so konnten wir uns ein Paar Socken für die gesunden Füße teilen – ist doch praktisch! Und wenn wir heute das alte Foto aus dem Jahre 1982 vom Wiener Circus betrachten: oh jeh, wie die Zeit vergeht!

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Sa, 15.3.2008: Löwenfraß und Tigerbiss

Nach 14 turbulenten Tagen haben wir es uns verdient auch mal abends Essen zu gehen und in Celle haben wir schon oft  Löwenfraß (rohe Rinderroulade) und viele Ratzeputz in geselliger Runde bis spät in die Nacht verköstigt. Und jetzt! Ab 21.30h bleibt die Küche kalt und in anderen Wirtschaften sah es nicht anders aus. Nur ein fremdländischer Familienbetrieb hatte noch ein Herz für ein paar hungrige Circusleute. Aber nach Emma und Kerstin,  was kann einen da noch schocken? Für unsere Fahrt von OG nach Brandenburg hatten wir einen Fahrer engagiert, der auch kam, aber angesichts der Nachrichten über Emma und der bevorstehenden 700KM Fahrt zog er wohl doch sein Hartz IV-Dasein vor. So fuhr ich unserem Camping nach Brandenburg, so war mein Plan, aber wegen des Sturmes und der Warnstufe für Brandenburg unterbrach ich des Nachts meine Fahrt und suchte Asyl beim Circus Voyage. Gerade noch rechtzeitig, denn bei dem Wetter ist man nicht gerne auf der Autobahn. So war es ganz nett mit ein paar Freunden dann den Tag zu verbringen, aber es muss ja auch weitergehen. So habe ich mich entschlossen den Camping dort stehen zu lassen und mit der Bahn erst mal wieder nach OG zurückzufahren. Mit zwei Tagen Verspätung waren wir dann in Brandenburg, unserer Premierenstadt angekommen. Und auch ohne Sturmwarnung windete es noch sehr heftig. Zwei Tage Verspätung sind eben zwei Tage und ich durfte ja nebenbei nicht vergessen meine restlichen Küchentüren abzuholen, die man nicht mehr nach OG liefern konnte. Man glaubt es ja nicht, aber wenn dann zur Premiere pünktlich die Musik erklingt, dann wurden doch Wunder wieder war.

Aber solche Glücksmomente sind nicht von langer Dauer, denn kaum hatte mein Mann die erste Darbietung, die Löwen von Heiko Olf und seinem Neuzugang, dem Tiger, angekündigt, war es auch vorbei damit. Mein Mann wurde von dem Tiger, der sich mit dem Netztunnel zwei bis drei Meter bewegen konnte,  „angegriffen“ und dabei am Unterschenkel erwischt. Als erfahrener Routinier hat er die Ansage fortgesetzt bis der Rettungsdienst eintraf. Deshalb an Alle unseren Dank, die sich nach dem Befinden meines Mannes erkundigt haben und sich nicht von dem Gerede haben beeindrucken lassen. Damit der Programmablauf reibungslos weiter gewährleistet wurde, habe ich dann die Ansage übernommen, wobei meine eigene Darbietung aber ausfallen musste. Aber nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus nach nur wenigen Stunden war mein Mann wieder einsatzbereit. Wenn er dann aber teilweise sitzend seinem Job nachkam, so lag das nicht am altersbedingten Erscheinen, sondern lediglich an gesundheitlichen Einschränkungen. Trotzdem ist so eine Verletzung ernst zu nehmen und hinter den Kulissen Schonzeit angesagt, was natürlich den ganzen familiären Ablauf aus dem Rhythmus bringt. Man erkennt dann doch daran, wie wichtig jeder Einzelne ist und man ärgert sich besondern, wenn man ohne Eigenverschulden gehandicapt ist. Nun musste der Junior mit Hand anlegen und der hat so gut die Sachen zum ersten Platzwechsel verstaut, dass wir einige Dinge immer noch nicht wieder gefunden haben.


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Aber kaum in Celle angekommen, wurden wir vom Sturm Kerstin morgens um 6.30h heimgesucht und es traf das Tierzelt, wie langweilig, das hatten wir doch 2007 auch schon mal. Außer ein bisschen Mehrarbeit zerrte aber so ein zweiter Sturm an den Nerven von Mensch und Tier, ewig klappernde Teile und flatternde Zeltplanen gehen dann nach Tagen einem auf den Geist. Wir hatten auch den Kindercircus Chiccolino in der Vorstellung zu Gast und auch diese kleinen Gäste konnten nun mal erleben, wie mühevoll teilweise die Welt hinter den Kulissen aussieht und mit welchen Widrigkeiten man sich auseinandersetzen muss, bis man ins glanzvolle Rampenlicht treten kann. Und weil es ja Frühling ist, hat es heute beim Platzwechsel geschneit. Aber damit auch etwas Abwechslung in unser Leben kommt, was macht man dann? Man besucht die Freunde bei einem anderen Circus.

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Mi, 27.2.2008: Küchenzauber

Meine Küche hatte ja schon historischen Wert für das Circusmuseum. Mein redegewandter Ehemann ist bei häuslichen Umbauten aber plötzlich gar nicht mehr so gesprächig. So musste ein Fachmann her, den habe ich aber nach 5 Minuten samt seiner vielen Musterkoffer wieder vor die Tür gesetzt. Er war der Meinung, ich bräuchte einen E-Herd. Da selbst Gasherde, die sich nur mit einem elektrischen Funken zünden lassen, im Circus schon ein Problem sein können, brauche ich dies moderne Zeug nicht. Da meinte der Küchenfachmann, dass wir dann eben mal Essen gehen sollen, wenn wir keinen Strom haben. Hallo, ich bin Circus und keine urlaubende Ehefrau. Nach noch so ein paar Bemerkungen war sein „Fach“-Wissen von mir nicht mehr gefragt.

Ein nächster Versuch, aber da es die Mehwertsteuer-Erhöhung gab, konnte man eine im Oktober bestellte Küche erst im nächsten April bekommen. Ups! Also wieder nichts mit Küche. So war also diesen Winter „Do it  yourself“ angesagt. Vater und Sohn sägten, bohrten und hämmerten und ich war als Zulieferer aus dem Baumarkt tätig. Da findet man dann auch andere hübsche Sachen, wie z.B. ein Teleskopregal. Dieses kann ich für langweilige Wintertage nur empfehlen, da hat die ganze Familie ihren Spaß und ist Stunden mit dem Zusammensetzen beschäftigt. Zwischendurch sollte der neue Herd aber auch mal eingebaut werden, den haben wir übrigens vor einem Jahr in Frankreich gekauft. Unser Wohnwagen ist im Ursprung aus Holland, da wurde erst der deutsche Herd mit Adaptern angeschlossen, nun durch das französische Modell ersetzt, also eine europäische Gasvereinigung.  Bis es soweit war haben wir vier Wochen à la Mikrowelle gespeist.

So nahm die Küche Formen an, aber zwei Türen brauchten wir noch extra. Schrank mit Tür gibt es sofort, nur Tür dauert dann acht Wochen. Aber in acht Wochen ist Saison. Also wir können die Türen bestellen, aber sie schicken sie nicht zu. Also sollten wir sie direkt im Werk bestellen. Das geht auch, da kann man sie aber nicht bezahlen, dazu braucht man wieder ein Vertragsgeschäft. Ab Werk bekommt man die Türen in vier Wochen, aber dazu mussten wir wissen, in welcher Stadt wir dann sind und wo es da einen Vertragshändler gibt. Kein Problem, wenn der Hersteller auch am Verkauf interessiert ist. Mir sind allerdings einige Geschäfte untergekommen, die schulen nach dem Motto:  „Wie werde ich den Kunden am schnellsten wieder los“. Ich habe nun endlich eine neue Küche, bin um viele Erkenntnisse reicher, aber um viele Nerven ärmer. Ich würde es nie durchstehen, mir ein Haus zu bauen und einzurichten.


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Unserem Hund kam das winterliche Treiben sehr absurd vor, er passte nur auf, dass sein Sofa frei und von unserem Treiben verschont blieb. Aber nun wird es Frühling und er bemerkt, dass wir bald wieder auf Reisen gehen werden. Die Werbetrommel ist in Betrieb. Circusparaden kommen darin allerdings nicht vor. Aber ich kann mich an schöne Paraden erinnern. Bei BuRo zu einem Hamburger Hafenjubiläum konnte man zu Pferd daran teilnehmen oder in einem Wagen winkend sitzen. Dieser war schön verkleidet und da wir ja Stunden unterwegs war, hatten wir Kind und Kegel dabei, die durch die Wagenverkleidung vor den Blicken verschont wurden und wegen der Kälte, waren wir unterhalb der Gürtellinie auch nicht so repräsentativ bekleidet. Oder in Magdeburg war der gesamte Circus Busch-Berolina mit allen Zwei- und Vierbeinern zur Hochzeit von Sybille Bernsdorff quer durch die Stadt unterwegs mit dem Brautpaar in einer Kutsche. Hin und wieder kommen solche Paraden auch heute noch in kleinerem Rahmen zustande. In diesem Sinne: Der Countdown läuft und bald gibt es auch wieder Neues von der Saison zu berichten.

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Di, 15.1.2008: Ist denn Weihnachten schon vorbei?

Vor vier Wochen waren wir noch voller Vorfreude auf den Weihnachtscircus und nun ist alles schon wieder vorbei. Alle Artisten waren pünktlich und Profis, also es gab weder Pleiten, Pech noch Pannen. Es war eine gute Kompanie, die sich des Öfteren abends zum gemeinsamen Bierchen oder Pizza-Essen zusammengesellte. Ein Kollege hatte sich allerdings bei der Zufahrt zum Platz sein Auto so stark demoliert, dass er sich besser einen Neuwagen gekauft hätte. Blöd nur, dass der Kollege bereits am 9.Januar im Süden von Frankreich sein nächstes Engagement antreten sollte. So viel Pech wünscht man ja wirklich niemandem.

Dafür gab es etwas zum Schmunzeln als vor einigen Jahren ein Artisten-Duo anreiste, welches als einziges Requisit einen Stuhl hat und genau den hatten sie beim letzten Vertragsort vergessen. Also traf der besagte Stuhl erst per Post zur Premiere ein. Nun ja! – Etwas nerviger war da schon eine russische Trapezkünstlerin, die drei Tage lang an allem etwas auszusetzen hatte und nicht aufbauen konnte. Am liebsten wäre es ihr gewesen, man hätte das Chapiteau noch einmal abgebaut und gedreht, damit sie ihren Willen bekommt. – Oder man ist erstaunt, wenn eine Hohe Schule Reiterin einen großen Stall aufbaut, der voll bestückt ist und sie dann morgendliche Proben abhält, die die Manege jedes Mal in einen Acker verwandeln.

Wie alljährlich feiern wir Weihnachten und Sylvester alle gemeinsam. Zu Sylvester hielten sich die Telefonate in Grenzen, aber Weihnachten standen wir mit halb Europa in Kontakt. Bis Clown Totti per Handy durch seine gesamte, in Spanien lebende, Familie gereicht wurde und alle Glückwünsche empfangen und weitergeben hatte, dauerte das Telefonat bestimmt über eine Stunde. Es ist schön, wenn man gemeinsam mit vielen langjährigen Kollegen zusammen feiert und sich auch wieder neue Freundschaften ergeben. Unsere Sylvesterparty zieht auch immer Außenstehende an. Einmal feierte Hit Radio Ohr mit seinem Team mit uns, diesmal gesellte sich sogar politische Prominenz der Stadt zu uns. Aus Berlin waren Freunde der Direktion aus der Musikbranche anwesend, aber man findet in froher Runde immer einen Gesprächsstoff. Mitten im Geschehen saßen zwei Circusfreunde. Da saßen sie nun und lasen die Tageszeitung...

Während die Planung Wochen dauert, der Aufbau sehr zeitintensiv ist, man seine Zeit mit den Kollegen ausgiebig genießt, so schnell und unromantisch verläuft die Trennung. Die Tierleute haben sich noch gegenseitig beim Abbau geholfen, da hatten die Artisten schon längst den Platz verlassen und nach 24 Stunden standen nur noch zwei Zelte!


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Heute wurden nun auch die Masten per Kran heruntergelassen und damit ist auch der 12.OWC beendet. – Totti wird man im Sommer wieder bei Krone sehen, die Hunde von Lauenburger schon im Winterprogramm. Sonny kann man in seinem Elefantendorf erleben. Ein persönliches Kompliment an dieser Stelle an seine Tochter Jennifer, Erwin wünsche ich alles Gute und Danke an Anja Oschkinat für alles, freue mich auf ein Wiedersehen beim nächsten OWC.

So wünsche ich allen ein circensisch interessantes 2008 und danke für das Interesse an meinem Tagebuch - BATAMA

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Zu den Tagebucheinträgen: September bis Dezember 2007